"Concerto par Clemenza pour Clement" -

Ludwig van Beethovens Violinkonzert op.61


Ludwig van Beethoven hatte sich schon einige Jahre mit Werken für Violine und Orchester beschäftigt, bevor er sein Violinkonzert op. 61 komponierte. Anfang der 1790er Jahre blieb ein Violinkonzert in C-Dur Fragment. Darauf folgten die beiden Romanzen für Violine und Orchester G-Dur op. 40 und F-Dur op. 50, die um 1800 entstanden. Schliesslich gab 1806 der Geigenvirtuose Franz Clement bei Beethoven ein Violinkonzert in Auftrag, um dies anlässlich eines Benefizkonzerts kurz vor Weihnachten zum ersten Mal vor Publikum zu spielen. Beethoven begann mit der Komposition Ende November und widmete es im Autograph seinem Auftraggeber als "Concerto par Clemenza pour Clement". Das Werk wurde erst unmittelbar vor dem Konzertabend vom 23. Dezember fertig, so spät, dass Clement "sein Solo ohne vorherige Probe a vista spielte".


Beethovens Violinkonzert war keineswegs auf Anhieb so beliebt, wie dies seine Stellung im heutigen Konzertbetrieb annehmen lässt. Der Bericht über die Uraufführung lobt zwar durchaus die "schönen Stellen" und gesteht dem Werk Originalität zu, doch es wird auch Kritik laut, nämlich "dass der Zusammenhang oft zerrissen scheine, und dass die unendlichen Wiederholungen einiger gemeinen Stellen leicht ermüden können. Man fürchtet aber zugleich, wenn Beethoven auf diesem Weg fortwandelt, so werde er und das Publikum übel dabei fahren."

 

Nach dem mässigen Erfolg bearbeitete Beethoven auf Anregung von Muzio Clementi das Werk als Klavierkonzert (op. 61a), wobei er den Orchestersatz kaum änderte. Für diese Klavierfassung komponierte er mehrere Kadenzen, wogegen es für das Violinkonzert keine originalen Kadenzen gibt. Beethoven war jedoch auch mit seinem Violinkonzert weiterhin beschäftigt, und vor allem in der Solostimme nahm er zahlreiche Korrekturen vor. Er vermied häufige Wiederholungen gleicher oder ähnlicher Abschnitte, zudem bereicherte er die Solostimme um freie Verzierungen und virtuose Figuren. Die Änderungen finden sich hauptsächlich im ersten und dritten, kaum jedoch im langsamen Satz. Beethoven hatte sich offenbar die bei der Uraufführung geäusserte Kritik zu Herzen genommen.


Dennoch wurde das Violinkonzert nur gelegentlich aufgeführt und fristete somit viele Jahre ein Schubladendasein. Erst durch die Interpretation von Joseph Joachim, der im Mai 1844 als Zwölfjähriger unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy das Konzert in London spielte, erkannte man hier ein Meisterwerk - knapp 40 Jahre nach der Uraufführung. Im Rückblick zeigt sich, wie ungewohnt diese Komposition zur Zeit ihrer Entstehung war. Die Solovioline ist grösstenteils in das sinfonische Geschehen integriert oder mit dem Orchester in Beziehung gesetzt und somit oft ein primus inter pares. Mit über 500 Takten ist der erste Satz sehr lang und Beethoven arbeitete nicht nur mit zwei Themen. Die Paukenschläge, mit denen das Werk überraschend beginnt, werden zum fast omnipräsenten Motiv. Immer wieder setzte Beethoven dieses Pochen ein, mal forsch, mal nur im Hintergrund. Die oft zarte, in hohen Lagen verweilende Kantilene der Solovioline schrieb er seinem Auftraggeber auf den Leib, denn Clement soll einen Ton von "unbeschreiblicher Zärtlichkeit" gehabt haben. Insbesondere im lyrischen Larghetto kann man diese sensible Klanggestaltung nachempfinden. Schlicht, kleingliedrig beginnt das Thema, um dann in einen weiten Melodiebogen zu münden, der mehrfach variiert wird. Schliesslich fügt der Finalsatz dem in vielen Momenten so besinnlich-verhaltenen Konzert durch sein tänzerisches Rondo-Thema Spielfreude und sprühende Lebenslust bei.

Die Krönung von Mozarts sinfonischem Schaffen


In einem Zeitraum von neun Wochen komponierte Wolfgang Amadeus Mozart von Juni bis August 1788 seine letzten drei grossen Sinfonien: die Sinfonie Es-Dur KV 543, jene in g-Moll KV 550 und schliesslich die Sinfonie C-Dur KV 551. Aus welchem konkreten Anlass diese Werke entstanden sind, ist nicht bekannt. Vermutlich wollte Mozart in seinen Akademien - Konzerte, die er selbst organisierte - dem Publikum neue Werke präsentieren. Auch eine geplante, aber nicht realisierte Englandreise könnte für die Komposition der drei Sinfonien ausschlaggebend gewesen sein. Mozart bezeichnete sich selbst als "ErzEngelländer", was wohl durch die positiven Erinnerungen an seine Kindheit begründet ist, als er in London früh wertvolle Erfahrungen für seine künstlerische Entwicklung sammeln konnte. Ende der Achtzigerjahre war seine finanzielle Situation nun ausgesprochen schwierig. Doch von den bedrückenden Lebensumständen, die, wie er schrieb, "so oft so schwarze Gedanken" kommen liessen, verrät die strahlende Jupiter-Sinfonie kaum etwas. Sie war gemäss Mozarts eigenhändigem Werkverzeichnis am 10. August 1788 vollendet. Den Beinamen "Jupiter" hat sehr wahrscheinlich der in London lebende Geiger und Konzertunternehmer Johann Peter Salomon eingeführt.


Schon bald wurde die Jupiter-Sinfonie als Höhepunkt von Mozarts sinfonischem Schaffen angesehen. Zu den für dieses Werk so bezeichnenden Charakteristika gehören unter anderem die starken Kontrastwirkungen, wie gleich zu Beginn der Sinfonie: Den auftrumpfenden C-Dur-Akkorden, die durch die Schleiferfiguren noch akzentuiert werden, folgt in den ersten Geigen eine sehr filigrane Linie. Auf das nach dem ersten Tutti rasch absteigende Skalenmotiv wird Mozart im letzten Satz zurückkommen, wie auch andere motivische Verknüpfungen in der gesamten sinfonischen Anlage vorhanden sind. Überraschend erklingt vor dem mittleren Teil des ersten Satzes ein tänzerischer Abschnitt. Mozart setzt hier die Melodie einer Bassarie ein, die er im Mai 1788 als Einlage-Arie für die Wiener Aufführungen der Opera buffa "Le gelosie fortunate" von Pasquale Anfossi komponiert hatte ("Un bacio di mano", KV 541). So vereinen sich im Kopfsatz sehr verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten: von majestätisch zu kantabel bis zum fröhlichen Buffo-Ton.

 

Im langsamen Satz wird der brillante Orchesterklang zurückgenommen, die Geigen spielen mit Dämpfer und Mozart verzichtete auf Pauken sowie Trompeten. Die Melodielinie wird durch Umspielungen und Seufzerfiguren sehr kantabel gestaltet. In überraschenden Wendungen zu dramatischen Moll-Abschnitten, mit drängenden Synkopen und scharfen Akzenten, zeigt sich erneut die breite Ausdruckspallette dieses kompositorischen Meisterwerks. Dem festlichen Menuett folgt dann das Finale, das zu jenen Instrumentalkompositionen gehört, die durch ihre satztechnische Dichte die detaillierte Analyse herausfordern, ohne dass diese der Komplexität und Ausdruckskraft des Satzes je gerecht werden könnte. Fünf thematische Gestalten werden hier polyphon verarbeitet, eine kompositorische Meisterleistung. Die Fugentechnik verwendete bereits 1784 Michael Haydn im sinfonischen Kontext, dies im Finalsatz seiner Sinfonie in C-Dur Nr. 28. Mozart vereint hier in der Coda die fünf Themen in einer letzten Verdichtung als eigentliche „Schlussfuge“. Faszinierend ist in erster Linie nicht die stupende Kompositionstechnik, vielmehr die Tatsache, wie Mozart trotz der komplexen Mehrstimmigkeit eine Musik von gleichwohl strahlendem wie heiterem Charakter schuf.

Dr. Ellen Taller

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