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  • AutorenbildSinfonia Engiadina

Claudio Abbado und das Engadin - zu den Konzerten SINFONIA 2023


Das Oberengadin war für Claudio Abbado ein Kraftquell. Schon während seiner Zeit als Musikdirektor der Mailänder Scala zog er sich gern ins Fextal zurück, um neue Energie zu schöpfen. Wenn er die imposanten Berggipfel betrachtete, weiteten sich seine Gedanken, sagte er einmal. Die Stille der Natur schärfte alle Sinne, im Winter hörte er sogar den Schnee fallen. In dieser Idylle konnte er sich tief in die Musik, in die Partituren der von ihm dirigierten Werke versenken. Mit der malerischen Landschaft ist er auch über den Tod hinaus verbunden, der Friedhof der kleinen Bergkirche in Fex Crasta wurde seine letzte Ruhestätte.


Der Flötist Emmanuel Pahud, der als Solist an den Gedenkkonzerten zum 90. Geburtsjahr des grossen Dirigenten auftritt, kam vor dreissig Jahren zu den Berliner Philharmonikern, als Abbado dort Chefdirigent war. Im Alter von 25 Jahren wirkte er bei einer Aufnahme des G-Dur-Flötenkonzerts von Mozart mit. «Das war für mich ein Meilenstein!», gesteht er. Unter Abbados Leitung spielte er damals auch in St. Moritz, Pontresina oder Zuoz. «Im Engadin verbrachte ich als Kind meine Ferien. Dank Claudio habe das Tal musikalisch kennengelernt», erzählt der gebürtige Genfer. «Der Kontakt zu jungen Musikern war für ihn ein Elixier ewiger Jugend. In seinem wachen Blick spürte ich immer eine besondere Empathie.»

Im Jahr nach Abbados Tod im Januar 2014 kehrte der Flötist mit anderen Musikern ins Fextal zurück. Sie musizierten in der mit Fresken geschmückten Bergkirche und an seinem schlichten Grab. Mit einem Stück von Claude Debussy weihte Pahud in der Nähe eine dem Verstorbenen gewidmete Sitzbank ein. Statt eines Namens sind auf der Rückenlehne Zeilen von Abbados Lieblingsdichter Hölderlin zu lesen.


Der Dirigent Christoph-Mathias Mueller, der jetzt die Jahresendkonzerte der Sinfonia Engiadina leitet, hat ebenfalls viele Erinnerungen bewahrt. 1992 kam er als Geiger zu dem von Abbado gegründeten Gustav Mahler Jugendorchester, wo bereits vor dem Mauerfall junge Musiker aus West- und Osteuropa aufeinandertrafen. «Ich habe vorher und nachher nie erlebt, wie es ist, wenn ein Energieblitz durch ein ganzes Orchester zuckt», sagt er rückblickend über ein Konzert mit Abbado.

Nachdem Mueller selbst den Taktstock in die Hand genommen hatte und bei den Salzburger Osterfestspielen auf sich aufmerksam machte, wurde er 2001 Assistant Conductor des Gustav Mahler Jugendorchesters. Danach war er seinem Mentor dabei behilflich, das Lucerne Festival Orchestra im Sommer 2003 aus der Taufe zu heben. «Innerhalb weniger Minuten legten die Musiker ihr Ego ab und fingen an, intensiv aufeinander zu hören», beobachtete Mueller bei der ersten Probe. «Noch heute begegne ich immer wieder Musikerinnern und Musikern, mit denen ich intensive Erinnerungen an Claudio teilen kann. Er hat mich in musikalischer Hinsicht und als Dirigent stark geprägt, weshalb es mich freut, an den Gedenkkonzerten aktiv teilnehmen zu können.»

Corina Kolbe


Konzertprogramm Schubert Ouvertüre im italienischen Stil D-Dur D590 Mozart Konzert für Flöte und Orchester G-Dur KV 313 (Solist Emmanuel Pahud) Mendelssohn Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 «Italienische»


Konzerte Pontresina, 28.12., 10:30 Zuoz, 28.12., 20:30 Sils, 29.12., 20:30 Celerina 30.12., 20:30

Vorverkauf ab 23.11.2023





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